Das Wort zum MUTwoch (103): Hühners Gott

’n Stein mit’m Loch. Was ist das schon?!?
Das ultimative Mitbringsel von der Ostsee.
Ein Hühnergott.
Und: Kein Hühnergott, kein perfekter Urlaub.

Das muss denken, wer die Heerscharen der Lochsteinsucher an den Küsten sieht.
Das muss vor allem denken, der wie ich ein Sehschwacher und daher von gewisser Blindheit geschlagen ist.

Ich suchte an der Ostsee Gestade in Lobbe und Baabe, Sellin und Binz, unterm Königsstuhl und bei Lohme, am Kap Arkona oder in Dranske nach jenem perfekt perforierten Prachtstück.

Selbst auf Fred Feuersteins Feld unweit Prora ergab ich mich dem Such- und Findfieber. Dort teilt die düst’ren Tann’ kilometerweit und mehr als 200 m breit ein Bett aus Tonnen jener Steine, die die Welt der Glücklichen bedeuten.

Doch vergeblich verschwendete Mutter Natur nach schweren Sturmfluten vor 2.000 Jahren dort ihren Schatz. So einer wie ich ist und bleibt eben nicht einmal ein blindes Huhn.

Der Herr Aschenbrenner als Standläufer gibt zudem eine besonders skurrile Figur ab: Wissend um sein erbarmenswürdiges Augenlicht, nähert er sein Gesicht möglichst dicht dem Boden, auf dem das Begehrte vermutet wird.

Was Folgen hat.

Schon nach wenigen Minuten lahmt das Kreuz.
Zudem übersieht er Hindernisse, die seinen Weg kreuzen. Strandgut wie Treibholz etc. brachte ihn schon von Fall zu Fall zu Fall.

Derart schmerzhafte Erfahrungen bewirkten, dass einermeiner sich auf anderem Wege der Fürsorge von Fortuna versichern wollte. Schließlich sind diese löchrigen Steine als Amulett begehrt und gelten als Glücksbringer.

Glück wiederum kann man bekanntlich nicht genug haben: Gesundheit und Geld allein genügen selten. Selbst den richtig reichen Reichen und den quicklebendigen Gesunden auf der „Titanic“ fehlte am Ende das entscheidende Quäntchen Glück …

Doch heutzutage muss man Hühnergötter nicht einmal mehr selbst suchen. Sie finden einen. Dank pfiffiger Geschäftemacher, die die gelochten Steinchen teuer verkaufen.

Doch Obacht: Nur Hühnergötter, die die Natur mit dem Durchguck versehen haben, sind echt und damit der begehrte Talisman. Dieser Hinweis muss sein, denn unter den Dealern mit den meist schwarzweißen Steinen sind auch ganz schwarze Schafe: Solche, die in ordinäre Feuersteine einfach die wertsteigernde Öffnung sandstrahlen und dann die fiesen Fälschungen an Frau und Mann bringen.

Ich bin aber aus dem potenziellen Käuferkreis raus: Just bei der jüngsten Küstenpirsch war mir Fortuna hold. Daher fand ich nicht einen, keine zwei, sondern gar drei der Glück verheißenden Steinbröckchen.

’n Stein mit’m Loch. Was ist das schon?!?
Das ultimative Mitbringsel von der Ostsee.
Ein Hühnergott.
Und gar drei Hühnergötter geben nun Kunde vom perfekten Urlaub.

Foto: nsgar Koreng / CC BY-SA 3.0 (DE)

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