Das, was im Leben zählt

Dieser Tage. Zwei quietschfidele Mädelchen schlappern und plappern mir auf Gothas Buttermarkt vor die Füße. An einem der eher wärmeren Tage des vorgezogenen Herbstes, den wir offensichtlich 2012 haben. Deshalb in luftige Sommerkleidchen gewandet.

Hand in Hand schlendern die Girlies – beide vier, fünf Jahre alt -, gut gelaunt und ihr Eis schleckend. Ich seh’s, muss unweigerlich an meine Töchter denken.

Schalte auf Schongang, lass mal alle Fünfe gerade sein. Denn Erinnerungen kommen hoch. An die Zeit, als unsere beiden in dem Alter waren. Unglaublich, sind denn schon zwei Jahrzehnte vergangen?

Müssen ja wohl. Denn die eine ist seit sieben Jahren tief im Süden der Republik, in Garmisch-Partenkirchen. Die andere Nestflüchterin seilte sich noch weiter ab, war die meiste Zeit im Süden Frankreichs.

Die Jüngere steht seit vier Jahren auf eigenen Beinen. Wen es mal nach Garmisch verschlägt, der sollte das „Ratscafé“ aufsuchen. Dort, am Rathausplatz, ist die gelernte Hotelfachfrau charmante und aufmerksame Gastgeberin.

„Groß-Kind“ ging nach dem Abi als Au-pair nach Frankreich. 2007 bis 2010 legte sie ein deutsch-französisches Doppeldiplom in Geschichte und Kunstgeschichte ab. Darauf folgte ein Masterstudiengang, den sie jetzt abschloss.

Beide haben sie ihren Weg gemacht. Mit mehr oder minder seelischer, moralischer und auch finanzieller Unterstützung. Manchmal bin ich mir zwar nicht ganz sicher, ob sie es dank unserer oder trotz dieser Anteilnahme geschafft haben. Aber egal! Stolz bin ich auf beide. Sie haben ihr Ding gemacht.

Die Kleine ist dabei die bodenständigere der Schwestern. Kommt also mehr nach der Mama. Akklimatisierte sich erstaunlich schnell in Bayern; nicht nur sprachlich. Schließlich becircte sie derweil auch einen urigen, krachledernen Bayern-Buam.

Die Ältere hingegen dürfte wohl noch viele Jahre über diesen Planeten globe­trotten, bevor sie irgendwo das Landekreuz für ihre Seele ausmachen wird.

Nun sind sie schon so lange weg. Und eigentlich war es auch gut so, dass sie sich zeitig abgenabelt und die Welt erkundet haben! So sind halt Töchter. Gott sei Dank. Nix von wegen „Hotel Mama“!

Trotzdem kommt manchmal Wehmut auf. Und das Gewissen schlägt mir. Denn als ich sie noch um mich hatte, war’s mir manchmal zu viel, so nach stressigem (All-)Tag. Sie wissen, was ich meine!?

Nein; ich denke nicht, dass wir schlechte Eltern waren. Das nun gerade nicht. Behauptet auch keine der beiden. Aber manches würde ich heute anders machen. Statt der Spritze zum Taschengeld lieber einen Gemeinsame-Zeit-Bonus gewähren. Lieber zweimal mehr gelobt, als einmal gemeckert.

Das ist beileibe nicht nur dem Alter geschuldete Milde oder Weisheit.

Deshalb freue ich mich auf Mitte Juli. Dann ist die Aschenbrenner-Sippe seit längerem mal wieder für ein paar Tage vereint. Mache dann auch meine Wortdrechslerei zu. Werde sogar für ein paar Tage weder in sozialen Netzwerken internet(t) sein; nicht zwitschern, noch im „Gesichtsbuch“ Botschaften absetzen. Ich bin dann mal weg … – offline. Tatsächlich! Na ja, zumindest die meiste Zeit! 🙂

Habe auch schon Pläne fürs lange Wochenende, die eine oder andere Überraschung im Sinn.

Ich werde sie genießen, die gemeinsame Zeit.
Weil es das ist, was im Leben zählt.

(Kolumne für “Oscar am Freitag”, Ausgabe Gotha, erschienen am 29. Juni 2012)

 

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