Beam me up, Schrotti!

Auch wenn ich jetzt schon fast 12 Jahre nicht mehr bei der „Thüringer Allgemeinen“ bin, habe ich immer noch eine besondere Beziehung zum Blatt. Und deshalb läuft mir derzeit fast täglich die Galle über, wenn ich sehe, was aus ihm gemacht wird.

Für seinen Namen kann niemand etwas. Und deshalb verbieten sich eigentlich alle Wortspiele mit dem von Klaus Schrotthofer. Das ist einer der beiden Geschäftsführer der „Zeitungsgruppe Thüringen“, die die TA, die TLZ und die OTZ herausgibt.

Nun; für den Insider-Dienst kress.de hat jener Schrotthofer einen Blick in die Kristallkugel, pardon; in eine Zukunft geworfen, wie er sie sich für seine Branche vorstellt.

Und – vor allem! – er ist intellektuell mit Warp-Geschwindigkeit aus der Steinzeit ins Jetzt gesprungen. Beispiel gefällig:

“Viele Journalisten sind noch der irrigen Ansicht, Online sei nur eine Verlängerung ihres eigenen Schreibtisches. Sie übersehen dabei, dass sich das Medium Online längst von seinen Print-Ursprüngen emanzipiert.”

Nun, es ließe sich trefflich streiten, ob tatsächlich “viele Journalisten” meinten, dass das WehWehWeh eine neue Dimension ihres Schreibtisches sei. Sicher aber ist: Eine neue Ei-Huhn-Debatte zu starten und den Print-Medien die Vater- oder – der Emanzipation zuliebe – Mutterschaft zuzuschanzen, bringt nicht weiter.

Kress-Autor Christian Meier jedenfalls adelt Schrotthofer für seine Sicht zum “Internet-Evangelisten”. Und er verbreitet gern auch die kleine Unwahrheit, dass die ZGT die “Websites von ,Thüringer Allgemeine’, ,Ostthüringer Zeitung’ und ,Thüringische Landeszeitung’ vollkommen überarbeitet” habe.

Hätte Meier sich selbst ein Bild gemacht, wäre auch ihm der Etikettenschwindel “Aus drei mach eins…” aufgefallen. So aber kann man es Meier ebenso nicht verübeln, dass er sich von Schrotthofer soufflieren ließ, wonach die Regio-Desks

“es den Redakteuren wieder ermöglichen, draußen zu recherchieren und mehr für Online zu schreiben“.

Na gugge ma!!

Und auch diesen Schrotthofer-Plan muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

“So schnell wie möglich wollen wir mehr als die Hälfte der Beiträge im Internet originär produzieren.”

Achtung! Das war kein Aprilscherz! Der Beitrag erschien schließlich am 31. März…

Jawoll! Kannibalisierung als Methode. Deshalb wird es künftig noch weniger Sinn machen, ein Abonnement zu bezahlen, wenn das “originäre” eh online steht.

Aber Schrotthofer bleibt sich eben treu. Als die „Aus drei mache eins“-Online-Mogelpackungen am 17. März scharf geschaltet wurde, hatte er in der gedruckten TLZ schließlich schon folgende Vision:

“In der gedruckten Zeitung gibt es Texte und Bilder, im Internet finden unsere Leser vertiefende und weiterführende Informationen.”

(Der Beitrag ist als Post auch unter www.medienmoral-thueringen.de zu finden – samt Diskussion dazu!)

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