69-facher Junggesellen-Abschied

Westhausens „Waidmühle“ hat ihre erste royale Krönung hinter sich. Die Dorf-Wirtschaft mit ihrem sehr speziellen Charme bot die Kulisse für die Inthronisation von Etienne I., dem Schrauber-König. Hubert Kilian gab überzeugend den Zeremo-nienmeister. Der Chef der Gothaer Bildungsstätte für die Kfz-Innung Westthüringen platzte fast vor Stolz. Schließlich ist Bundessieger Etienne Ehrlich durch seine Hände gegangen.

Auch Etiennes Berufskollegen blickten respektvoll, beinahe schon ein wenig neidisch auf den Schwarzschopf. 89 von 100 Punkten machte er beim Bundeswettbewerb. Zehn Punkte mehr, als der Zweitplatzierte schaffte. Und seinen Meister-Brief hat er – gerade ein Jahr nach Lehr-Ende – ebenfalls schon in der Tasche. Was für ein Senkrechtstarter!?

Wenn man so will, bekam König Etienne „Ehrlich währt am längsten“ an diesem geselligen Abend gleich noch seinen Hofstaat dazu: 67 Herren und zwei Damen wurden freigesprochen. Sechs mehr gingen 2007 an den Start, drehen jetzt eine Ehrenrunde.

Westthüringer Tradition ist, dass nicht nur die ersten drei, sondern jeweils ein Quartett geehrt wird. Das hob Hubert Kilian extra hervor. Dieses Jahr genossen Dustin Böcking (Pneuhage-Reifendienst. Gotha), Tim Dressler (Autohaus Seyfarth, Gotha), Matthias Fuß (Fa. Falke, Schwabhausen) und René Müller (Automobile am Mönchhof, Gotha) dieses Privileg. Über die Gründe dieser Besonderheit wollte sich Hubert K. eigentlich ausschweigen. Investigativer Journalismus brachte aber zutage, dass sein Hobby den Ausschlag gab: Kilians sind passionierte Hundezüchter. Ihnen haben es die „Berger de Brie“, genannt „Briard“, angetan. Und bei den Rasse-Wuffis ist es halt Usus, dass stets die vier Besten aufs Podium kommen …

Die Westthüringer müssen eben immer ein wenig aus der Reihe tanzen. Deshalb konterten sie die aktuelle Frauenquoten-Debatte nach ihrer Art: Die beiden Damen unter der ganzen junggeselligen Herrlichkeit hatten die Bühne des Ruhms und der Ehre für sich allein: Jenny Friedrich (Bildungsstätte Innung Westthüringen, Gotha) und Julia Kürner (Fa. Lämmer, Geraberg) genossen sichtlich das Blitz-lichtgewitter der lokalen Paparazzi-Meute.

Und besonders ging es auch weiter. Außerordentliches zu verkünden, kam Innungs-Obermeister Eberhard Peterseim zu: Bereits 44 der 69 haben feste Anstellungen. Eine Quote wie nie zuvor. „Unsere Innungsbetriebe haben die Zeichen der Zeit verstanden“, meinte er deshalb. Die andere Seite der Medaille: Erstmals mussten Betriebe Lehrstellen ausschreiben, um ansprechende Bewerber zu finden. Im Run auf die immer geringer werdende Zahl der Schulabgänger habe die Branche eigentlich gute Karten, zeichne sie doch eine rasante Entwicklung aus. „Wir haben uns vom Gewerbe der Schmiede zu Herren der Hightech gemausert.“ Geboten werde spannende, anspruchsvolle Arbeit. Und dabei sei die Zukunft immer noch ein unentdecktes Land.

Und – wer hätte das gedacht? -, selbst Gothas Star-Oberbürgermeister hat einst bei Hubert Kilian seine Prüfung gemacht! Daran erinnerte Hubert Kah, als er Knut Kreuch ums Grußwort bat. Der kommunalpolitische Tausendsassa erlernte einst den durchaus ehrbaren Beruf eines Fahrzeugschlossers.

(Beitrag für die „Deutsche HandwerksZeitung“)

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