HWK-Zukunftspreis 2016 (2): Der GoldStaubsauger

Nicht alles, was nicht glänzt, ist kein Gold. Manchmal aber schon, gehen Edelmetall-Schmiede ihrer Profession nach. Seit 25 Jahren geschieht dies in Erfurt, bei „Jasper“.

Anger 28. In den Auslagen funkelt es. Pretiosen aus Gold, Silber, Platin wecken Begehrlichkeiten. Doch vor den (Verkaufs-)Erfolg haben die Goldschmiede-Götter den Staub gesetzt. Viel fiesen, feinen Staub.

Der entsteht v. a. beim Polieren. Und nicht nur bei Hobeln fliegen Späne. Auch dann, wird an den filigranen Augenschmeichlern im Hinterhaus am Hirschlachufer gefeilt. Das machen die „goldigen“ Schmiede Catrin Hanl, Peter John, Yahia Mousalli und die Azubis Roberto Storch und Kevin Schubert.

Sie sind ­– wie alle in der Branche – diesem Schmutz nahezu schutzlos ausgesetzt. Polierstaub ist so fein, dass er in alle Ritzen, auch in die Lungen, kriechen kann.

So passierte es Goldschmiedemeister Peter John (Jahrgang 1960). Er erkrankte. Genesen, sann er über eine Lösung nach. Dabei fügte es sich, dass er wirklich „goldene Hände“ hatte. Klar, linkisch sollte man in seiner Branche nicht sein. Aber Johns Geschick, seit 39 Jahren „Jasper“-Mann, beschränkt sich nicht nur auf den Umgang mit edlen Metallen.

Schon als Kind zog es ihn in die Werkstatt seines Vaters. Das Paradies schlechthin. „Nur Kreissäge und Bohrmaschine waren lange tabu“, erinnert er sich. Aber sonst „schmiedete“ er dort sein Talent.

Das kam ihm zupass. Das erste Modell seiner „Polierbox“ bastelte er aus Pappe. Korrigierte hier und da, nahm Maß, fertigte einen Prototyp. Das Gehäuse aus Baumarktbrettern ausreichend groß, die Poliermaschine „einzuhausen“.

Werkzeug und Material gehen durch gepolsterte, seitliche Eingriffe zur Hand. Für Sicht sorgt ein „Decken“licht. Sicherheitsglas schützt die Front. Vis-a-vis klafft das „Saugloch“. Dessen Position legte „Daniel Düsentrieb“ Peter genau fest – nach langem Beobachten der Flugbahnen des Polierstaubes.

Für Sauberkeit sorgt ein serienmäßiger, kraftvoller Staubsauger. Daher kann er auch mit halber Kraft arbeiten. Er steht im Nachbarraum und ist gut „verpackt“ – erledigt so sein Tagwerk ohrenschonend flüsterleise. Sind dessen besonders feinporigen Staubbeutel voll, kanden sie im „Krätzfass“ – wie alle Reste vom Bearbeiten der edlen Metalle.

Anschluss an die Polierboxen schaffen Kunststoffrohre, -winkel und –muffen. Ganz gewöhnliche, die Klempner für Küche und Bad nutzen.

Derzeit gibt es drei Johnsche Clean-Kisten – und das Team steht Schlange davor. Das ändert sich bald. Dann bezieht man nebenan größere Räume – hier hat die „Boxengasse“ acht Arbeitsplätze.

Einen Design-Preis gewinnt man mit diesen Staubfängern nicht. War auch nie der Plan. Lebens- und Arbeitsqualität hingegen schon. Der tägliche „Hausputz“ fällt kürzer aus.

Und das „Krätzfass“ wird voller denn je: Dieser „Müll“ geht in eine Scheideanstalt, wo Gold, Silber, Platin und Kupfer zurückgewonnen werden, retour nach Erfurt gehen – für neuen schmucken Schmuck.

Übrigens sicherten diese extrahierten Edelmetalle einst den Lebensabend der Goldschmiede, waren deren Rente.

Mit „Jasper“ und Peter John heißt es heute hingegen: Wer sich um den Staub kehrt, dem ist die Gesundheit was wert.

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