„Wer immer nur das tut, was er schon kann,
bleibt immer nur das, was er schon ist.“
(Henry Ford)

Buridans Esel. Der stand zwischen zwei Heuhaufen – gleich groß, gleich weit entfernt. Stand da und konnte sich nicht entscheiden, welchen er zuerst fressen sollte. Und verhungerte darob.

Ich bin seit mehr als 20 Jahren Freiberufler. Als ich einst das Abenteuer Selbstständigkeit wagte, hatte ich keinen blassen Schimmer, was mich erwartete. Das war mir aber egal: ich wollte einfach nur raus und weg. Raus aus Hierarchien. Weg vom täglich grüßenden Murmeltier.

Nun. Meine neue Freiheit trat mir zu Beginn erst einmal kräftig in den Allerwertesten. Da spielte auch ein ordentliches Maß an Selbstüberschätzung eine Rolle: Ich hatte zuvor viele Jahre professionelle journalistische Arbeit abgeliefert. War verantwortlich für die Gothaer Ausgabe der „Thüringer Allgemeinen“, die mit gut 35.000 Zeitungen täglich die zweitgrößte Auflage hatte. Das machte ein breites Kreuz. Noch mehr, dass meine Schreibe durchaus von der Leserschaft geschätzt wurde.

Ich hielt mich schon für den größten lebenden Journalisten westlich der Apfelstädt… Deshalb die Einschränkung, weil ich zumindest einräumte, dass das Ego meines damaligen Chefredakteurs Sergej Lochthofen deutlich größer war.

Trotzdem galt: Was kostet die Welt? Ich meinte, binnen kürzester Frist ein volles Auftragsbuch zu haben, dass Kunden nach meiner Wortdrechselei lechzen würden.

Es kam anders. Ich putzte viele Klinken. Lernte relativ schnell, dass Demut nie schadet. Aber auch, dass man sich ebenfalls im besten Sinne des Wortes „verkaufen“ können muss.

Das erste Jahr stutzte mich auf Normalgröße. Schon deshalb möchte ich nie diese Erfahrung missen.

Ich genieße die zweifellos vorhandenen Vorteile, Freiberufler zu sein. Arbeiten zu dürfen, wenn andere Wochenende haben, gehört nicht dazu. Aber ich kann trotzdem frei(er) über meine Zeit verfügen. Kann – wenn in meiner Wortdrechselei Sprachlosigkeit herrscht – schon einmal pausieren. Habe mich in viele Branchen, Themen reindenken dürfen. Blieb auch nicht nur in hiesigen Regionen. Das weitet mindestens den Horizont.

Dafür fehlt es mir an solchen Sicherheiten wie zu wissen, dass jeden Monat eine fixe Summe aufs Konto kommt, Urlaub bezahlt wird und bei Krankheit trotzdem Geld fließt…

Zweifelsfrei Vorzüge, von denen ein Selbstständiger nur träumen kann.

In all den Jahren ergab es sich auch nur höchst selten, dass mir jemand einen Job anbot, für den ich wieder zum abhängig Beschäftigten werden wollte.

Am Ende stimmten dann die Konditionen nicht oder die Chemie – oder ich zog einfach den Schwanz ein, weil ich mich so schön in einer hart erarbeiteten Glückseligkeit auf meiner Insel der Selbstausbeutung eingerichtet hatte.

Und nun scheint es mir plötzlich doch wieder wie Buridans Esel zu gehen.

Nur gut, dass ich mit den Jahren lernte, dass nicht die Größe des Haufens, sondern die Qualität des Heus das Entscheidende ist.

Deshalb starte ich noch einmal durch. Traue mich, gewohnte Wege zu verlassen.

Ich gehe eigentlich nicht fremd – naja, nur ein bisschen zumindest. Bleibe meinem Metier aber grundsätzlich treu. Dafür ist der Aschenbrenner eben nun einmal viel zu gern Mundwerker, Wortdrechsler und Satzfädler.

Dennoch wird’s hier bald still(er). Ganz schließe ich die Wortdrechselei nicht. Aber der Respekt vor meiner neuen Aufgabe erfordert volle Konzentration auf den neuen Job. Eine Aufgabe zudem, auf die ich mich im Übrigen sehr freue: ich werde ab dem 1. März für die „Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach“ arbeiten.

Macht’s also, machen Sie es gut!

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